Story: Der Morgen danach

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von marathon am 25.7.2026, 23:36:11 in Extrem & Bizarr

Der Morgen danach



Andreas, frisch 18, erwacht mit einem Kater und wird von seiner Stiefmutter Erika im Flur überrascht, die ihn nackt und verführerisch empfängt. Die Situation eskaliert, als sie ihn oral befriedigt und die Grenzen ihrer Beziehung neu definiert.



Der erste Sonnenstrahl des Tages fällt nicht sanft auf das Kissen, sondern bohrt sich wie ein weißer, scharfer Nagel direkt durch die halb geöffneten Jalousien. Andreas blinzelt, und das Licht, das auf seine Netzhaut trifft, sendet einen sofortigen, stechenden Schmerz durch seine Schläfen, der sich wie ein roter Faden durch seinen Hinterkopf bis in den Nacken zieht. Er liegt still, die Augenlider wieder geschlossen, die Bettdecke bis über die Nase hochgezogen, als könnte die grobe Baumwolle ihn als eine Art Schutzschild vor der Realität des Morgens bewahren. In seinem Mund breitet sich ein Geschmack aus, der an verwitterten Kupfermünzen und zu süßen, billigem Sekt erinnert, ein Nachgeschmack der Feierlichkeiten, die erst wenige Stunden zurückliegen.

Er atmet langsam aus, und der Atem bewegt die schwere Decke kaum merklich. In seinem Brustkorb pocht ein Herz, das zu laut für die frühe Stunde und zu schnell für den Zustand der völligen Erschöpfung schlägt. Jeder Muskel in seinem Körper fühlt sich an, als wäre er in Zement getränkt worden und über Nacht ausgehärtet. Besonders die Nackenmuskulatur, die sich in einem harten, schmerzhaften Knoten verspannt hat, weigert sich, den Kopf auch nur einen Millimeter zu drehen. Andreas wischt mit der Handfläche über seine Stirn, und die Haut dort fühlt sich klebrig und überhitzt an. Schweiß hat sich in den feinen Härchen an den Schläfen gesammelt und kühlt nun langsam ab, was ihn frösteln lässt, obwohl die Raumtemperatur angenehm ist.

Er reißt die Augen wieder auf, starrt an die weiße Zimmerdecke, wo eine kleine, dunkle Fliege kreischt und gegen die Lampe prallt. Der Laut ist ohrenbetäubend in der Stille des Zimmers. Gestern, denkt er, und das Wort hängt schwer in der Luft wie Rauch. Gestern war sein achtzehnter Geburtstag. Der Tag, an dem die Gesellschaft beschlossen hat, ihn offiziell zum Erwachsenen zu erklären, ein Übergang, der sich in seiner Wahrnehmung nicht wie eine Erlösung, sondern eher wie ein Sturz aus einer bequemen Hängematte auf harten Beton anfühlt. Er erinnert sich an die Lautstärke der Musik, an das Glas klirrende Geräusch, wenn zu viele Menschen gleichzeitig anstoßen, an das Lachen seines Vaters, das immer lauter wurde, je mehr Bier in die Gläser gefüllt wurde. Und er erinnert sich an sich selbst, wie er in der Mitte des Raumes stand, ein Glas in der Hand, lächelnd, nickend, und sich fühlte, als würde er ein Theaterstück spielen, dessen Drehbuch er noch nie gelesen hatte.

Andreas setzt sich langsam auf. Die Bewegung ist ein Akt der Überwindung. Die Welt kippt zur Seite, schwingt kurz aus und findet dann langsam wieder in eine fragile Waagerechte zurück. Er schwingt die Beine aus dem Bett, und seine Füße suchen nach dem Boden. Der Teppichboden ist kühl und weicht, federt leicht unter seinem Gewicht, als er sich darauf stellt. Er läuft ein paar Schritte zum Fenster, greift nach dem Schnurr der Jalousie und zieht sie ruckartig hoch. Das Licht flutet den Raum, überflutet seinen Schreibtisch mit den unsortierten Schulbüchern, den Stuhl mit der über der Lehne hängenden Jeans und das Bett, in dem die Kissen noch die Delle seines Kopfes bewahren.

Er geht zum Spiegel, der an der Tür seines Kleiderschrankes klebt. Das Bild, das ihn dort anblickt, ist vertraut und doch heute fremd. Er blickt auf ein Gesicht, das noch weiche Züge hat. Die Haut ist blass, fast durchscheinend um die Augenpartie, die von dunk feinen Schatten unterlegt ist. Seine Nase ist klein, etwas aufgedreht, ein Merkmal, das er von seiner Mutter hat, oder zumindest so sagt es seine Großtante. Das Kinn ist weich, noch nicht von den harten Linien gezeichnet, die das Gesicht eines Mannes oft kennzeichnen. Seine hellbraunen Haare sind an den Seiten kurz geschoren, oben länger und hängen ihm jetzt chaotisch in die Stirn, eine Folge des unruhigen Schlafes. Er wirkt jünger als achtzehn, viel jünger. Wenn man ihn jetzt sehen würde, ohne den Ausweis in der Hand zu kennen, würde man ihn vielleicht für sechzehn halten, für einen Jungen, der gerade erst die Highschool betritt und nicht für jemanden, der theoretisch wählen darf, Mietverträge unterschreiben und Auto fahren darf.

Er berührt mit den Fingerspitzen seine Wangenknochen. Die Haut ist glatt, straff, ohne die geringste Spur von Bartwuchs, obwohl er sich schon seit Monaten jeden Morgen mit dem Rasierhobel über das Kinn fährt, mehr aus einer Art Pflichtgefühl als aus Notwendigkeit. Er starrt in seine eigenen Augen, die braun und leicht glasig wirken, getrübt vom Restalkohol und der Müdigkeit. Erwachsen, murmelt er leise, und das Wort klingt hohl im Raum. Es passt nicht zu dem Jungen im Spiegel, der in einem Pyjama steht, dessen Hosenbeine etwas zu kurz geraten sind.

Er dreht sich um und öffnet die Tür. Der Flur liegt im Dämmerlicht, da das Fenster am anderen Ende des Hauses geschlossen ist. Der Teppichboden schluckt seine Schritte. Er hält sich mit der Hand an der Wand fest, fühlt die kühle Tapete unter seinen Fingern, während er sich langsam in Richtung Badezimmer bewegt. Jeder Schritt erzeugt ein leises, rhythmisches Pochen in seinem Schädel, das im Takt mit seinem Herzschlag schlägt. Er muss nur noch ein paar Meter. Nur noch die Tür öffnen, kaltes Wasser ins Gesicht waschen, vielleicht eine Tablette gegen den Kopfschmerz, und der Tag wird beginnen.

Er biegt um die Ecke des Flurs, und da steht sie.

Erika.

Sie lehnt mit dem Rücken gegen das Türgestell des Badezimmers, die Arme vor der Brust verschränkt, und blockiert damit den einzigen Weg hinein. Andreas bleibt wie angewurzelt stehen, einen Fuß noch in der Bewegung zum nächsten Schritt, den anderen schwer auf dem Boden abgesetzt. Die plötzliche Anwesenheit eines anderen Menschen nach der Stille seines Zimmers reißt ihn aus der Benommenheit, lässt ihn für einen Moment vollkommen wach werden.

Erika ist neunundfünfzig Jahre alt. Das ist eine Zahl, eine Fakt, die in Familienalben und offiziellen Dokumenten steht, aber in diesem Moment, in diesem schwachen Licht des Flurs, scheint die Zahl nur eine ferne Erinnerung zu sein. Sie trägt einen Bademantel, einen weichen, terrakottafarbenen Stoff, der ihre Hautfarbe wärmer erscheinen lässt. Aber der Mantel ist nicht zugebunden. Er hängt offen an ihren Schultern, die beiden Hälften voneinander getrennt, sodass der Blick fast ungehindert auf ihren Körper gleiten kann.

Andreas reißt die Augen weg, starrt auf eine Stelle an der Wand neben ihrem Kopf, auf ein Bild, das dort hängt – eine Ansicht von Venedig, kanalisiert und gedruckt auf glänzendem Papier. Er spürt, wie die Hitze in seinen Wangen steigt, ein ungewächses, plötzliches Brennen, das nichts mit dem Kater zu tun hat. Er weiß nicht, wohin mit seinen Händen, lässt sie hilflos an seinen Oberschenkeln hängen.

„Guten Morgen, Andreas“, sagt Erika. Ihre Stimme ist tiefer als sonst, ruhig, ohne die übliche, morgendliche Hektik, die sie an den Tag legt, wenn sie ihn zum Frühstück oder zur Schule hetzt. Es ist eine Stimme, die den Flur füllt, schwer und resonant.

Andreas schluckt. Der Hals bewegt sich trocken unter der Haut. „Guten Morgen“, bringt er hervor. Seine eigene Stimme klingt dünn, brüchig, wie die eines Kindes, das ertappt wurde.

Er zwingt sich, sie anzusehen, wirklich anzusehen, nicht nur an ihr vorbeizusehen. Erika hat schulterlanges, dunkelblondes Haar, das heute offen fällt und in weichen Wellen über ihre Schultern gleitet, den Bademantel teilweise verdeckend. Ihr Gesicht ist schmaler, als er es in Erinnerung hat. Die Wangenknochen treten deutlicher hervor, geben ihr eine gewisse Regalität, eine Art selbstbewusste Haltung, die er an ihr sonst nur bemerkt, wenn sie Besuch empfängt. Ihre Lippen sind rot geschminkt, ein satter, kräftiger Ton, der im Kontrast zu der blassen Haut ihres Gesichts steht. Und ihre Augen – grüne Augen, die ihn jetzt fixieren, nicht aggressiv, sondern mit einer Art intensiver, unerschütterlicher Ruhe, die ihn beunruhigt.

Der Bademantel rutscht ein kleines Stück weiter. Der Stoff gleitet über ihre Haut, reibungslos, fast lautlos. Andreas sieht den Hals, die Schlüsselbeine, die wie feine, weiße Grate unter der Haut hervortreten. Er sieht den Anfang der Dekolleté, die weiche Kurve der Brust, die im Schatten des Stoffes verschwindet. Er hat Erika oft gesehen, natürlich. Sie ist seine Stiefmutter, seit er ein kleines Kind war. Er hat sie in der Küche gesehen, wie sie Nudeln abgießt, den Dampf vor ihrem Gesicht. Er hat sie im Garten gesehen, wie sie Unkraut zupft, die Hände in der Erde vergraben. Er hat sie in Badezimmern gesehen, in Schwimmbädern.

Aber so hat er sie noch nie gesehen.

Er erinnert sich an die Jahre, die sie gemeinsam im Urlaub verbracht haben, an Hotels am Mittelmeer, an Strände, die nach Salz und Sonnencreme rochen. Er erinnert sich an das gemeinsame Baden. Als er kleiner war, war es selbstverständlich, dass sie zusammen im Wasser planschten, dass sie ihn auf dem Arm trug, wenn die Wellen zu hoch wurden. Später, als er älter wurde, vielleicht zehn oder zwölf, gingen sie noch zusammen in die Therme, in die Sauna, in die großen Becken, wo das Wasser blau und tief war. Damals war es normal. Damals war sie einfach Erika, die Frau, die mit seinem Vater verheiratet war, die für ihn sorgte, die ihm Mittagessen machte. Er sah ihren Körper in Badekleidung, sah sie in Towels eingewickelt, aber da war immer ein Kontext, eine Routine, eine Sicherheit des Familiären.

Jetzt ist dieser Kontext verschwunden. Der Flur ist kein Strand, kein Schwimmbad. Es ist ein enger, neutraler Raum in einem Haus in einer Kleinstadt, und dazwischen stehen sie, der achtzehnjährige Sohn und die neunundfünfzigjährige Stiefmutter, und die Luft zwischen ihnen vibriert von einer Spannung, die er nicht benennen kann.

Erika rückt sich nicht zurecht. Sie macht keine Anstalten, den Mantel zu schließen. Im Gegenteil, sie entspannt ihre Haltung, lässt die Arme sinken, die bisher vor ihrer Brust verschränkt waren. Der terrakottafarbene Stoff gleitet langsam, fast in Zeitlupe, über ihre Schultern hinunter. Es ist kein Zufall, keine ungeschickte Bewegung. Es ist eine bewusste Handlung, eine langsame Entfaltung.

Andreas starrt. Er kann nicht wegsehen, so sehr er es auch versucht. Seine Augen scheinen einen eigenen Willen zu haben, gefesselt von der Anatomie, die sich vor ihm enthüllt. Er sieht die Form ihrer Brüste, voll und schwer, die weiße Haut, die fast leuchtet im Vergleich zum dunklen Stoff des Mantels, der nun zu ihren Füßen liegt, ein kleiner Haufen Stoff auf dem Teppichboden. Sie steht nun vor ihm, völlig nackt.

Er bemerkt Details, die er nie bemerkt hat, nie hätte bemerken dürfen. Ein kleines, braunes Muttermal unterhalb ihrer linken Brust. Die Art, wie sich ihre Haut über die Rippen spannt, wenn sie atmet. Die leichte Wölbung ihres Bauches, weich und feminin, nicht flach wie die von Mädchen in seiner Schule, sondern geformt, reif. Er sieht die Scham, bedeckt von einem dunklen Schatten von Haaren, die gepflegt und dicht wirken. Seine Atmung stockt. Sein Herz hämmert jetzt so laut gegen seine Rippen, dass er sicher ist, sie muss es hören. Er fühlt sich schwindelig, nicht wegen des Alkohols, sondern wegen der schieren Überwältigung, der körperlichen Präsenz einer Frau, die er als Mutterfigur kannte, die jetzt vor ihm steht als etwas ganz anderes.

Erika macht einen Schritt auf ihn zu. Sie bewegt sich mit einer Anmut, die ihn erschreckt. Sie ist nicht mehr die Frau, die in der Küche herumrennt und Teller klirren lässt. Sie ist eine Frau, die den Raum beherrscht, die genau weiß, was sie tut. Sie kommt näher, bis er ihren Atem riechen kann – Minze und eine Spur von Lavendel, ein Duft, der sauber und gleichzeitig betörend ist. Sie streicht mit der Hand durch ihr Haar, schieht es zurück über die Schulter, eine Geste, die ihren Nacken freilegt, lang und elegant.

„Du siehst müde aus“, sagt sie leise. Ihre Stimme ist jetzt nur noch ein Flüstern, das direkt in sein Ohr dringt, obwohl sie noch einen Schritt Abstand hält.

Andreas nickt stumm. Er hat keine Worte. Sein Verstand versucht, eine logische Erklärung für diese Situation zu finden, einen Grund, ein Skript, dem er folgen kann. Vielleicht ist es ein Test, denkt er. Vielleicht will sie sehen, wie ich reagiere. Oder Vielleicht hat sie Fieber. Aber ihre Augen sind klar, fokussiert. Da ist kein Fieber. Da ist nur Absicht.

Sie beugt sich leicht vor, nicht um ihn zu küssen, sondern um ihn auf einer anderen Ebene zu erreichen. Und dann, ohne ein weiteres Wort, sinkt sie auf die Knie.

Die Bewegung ist fließend, elegant. Sie lässt sich langsam nieder, ihre Knie berühren den weichen Teppichboden des Flurs. Sie schaut nun nicht mehr in seine Augen, sondern ihr Blick richtet sich auf die Mitte seines Körpers, auf den Bereich seines Bauches, wo sein T-Shirt endet und die Boxershorts beginnen. Andreas erstarrt. Sein ganzer Körper spannt sich an, wird zu einem einzigen harten Muskel. Er will zurückweichen, will weglaufen, in sein Zimmer rennen und die Tür verriegeln, aber seine Füße wiegen eine Tonne. Er ist gelähmt von der Unmöglichkeit des Augenblicks.

Erika legt ihre Hände auf seine Hüfte. Ihre Finger sind warm, drücken sich sanft durch den Stoff seines Pyjama-Hemdes in sein Fleisch. Sie spürt seine Zittern, das leichte Beben, das er nicht unterdrücken kann. Sie streicht mit den Daumen über seine Hüftknochen, eine langsame, kreisende Bewegung, die sowohl beruhigend als auch aufregend ist, ein Widerspruch in sich selbst.

„Erika.“, beginnt er, seine Stimme kaum mehr als ein Keuchen. „Was. was machst du?“

Sie antwortet nicht. Sie schaut nicht zu ihm auf. Sie konzentriert sich voll und ganz auf ihre Aufgabe. Ihre Hände gleiten nach unten, über den Stoff der Boxershorts. Sie greift nach dem Bund. Der elastische Stoff spannt sich unter ihren Fingern. Sie zieht langsam, mit einer festen, bestimmten Hand. Die Shorts gleiten über seine Hüfte, über seine Oberschenkel, und lassen sich dann, von der Schwerkraft aided, zu seinen Füßen fallen.

Andreas steht nun vor ihr, halb nackt, sein Oberkleid noch an, aber sein unterer Körper völlig entblößt. Die kühle Luft des Flurs trifft auf seine Haut, lässt ihn Gänsehaut bekommen. Er fühlt sich extrem verletzlich, wie ein Tier, das aus seinem Versteck gejagt und ins Scheinwerferlicht gezerrt wurde. Er schaut an die Decke, die Augen fest geschlossen, als könnte er die Realität dadurch ausblenden. Er hört das Rascheln des Stoffes, als sie sich vielleicht bewert, oder nur ihre Position justiert.

Dann spürt er ihre Hand. Sie berührt ihn. Nicht zögerlich, nicht unsicher, sondern mit einer Selbstverständlichkeit, die ihn den Atem anhalten lässt. Ihre Finger umschließen ihn, sanft, aber fest. Die Wärme ihrer Handfläche ist ein Schock gegen seine kalte Haut. Sie bewegt ihre Hand, eine langsame, rhythmische Bewegung, die sofort eine Reaktion in seinem Körper auslöst, über die er keine Kontrolle hat. Blut schießt in seine Gliedmaßen, ein physiologischer Reflex, den er nicht stoppen kann, so sehr er es sich auch wünscht. Er wird hart in ihrer Hand, und die Scham, die er dabei fühlt, ist fast körperlich schmerzhaft, ein Brennen in seinem Gesicht, das sich bis in seine Ohren ausbreitet.

Und dann, ohne Vorwarnung, beugt sie sich weiter vor. Andreas spürt ihren Atem, heiß und feucht, auf seiner Haut. Einen Moment später schließt sie ihren Mund um ihn.

Die Welt bricht um ihn zusammen. Es gibt keinen Flur mehr, kein Haus, keine Vergangenheit, keine Zukunft. Es gibt nur diese eine, intensive Sinneswahrnehmung. Die Feuchtigkeit, die Wärme, die sanfte Saugkraft, die seinen Verstand vernebelt. Seine Knie werden weich. Er muss sich mit einer Hand an der Wand stützen, um nicht umzufallen. Seine Finger krallen sich in die Tapete, suchen Halt in einer Welt, die sich unter ihm in Bewegung gesetzt hat.

Er öffnet die Augen, starrt auf den Scheitel ihres Kopfes, auf das dunkelblonde Haar, das jetzt so nah ist, dass er die einzelnen Strähnen zählen könnte. Er sieht, wie sich ihr Kopf bewegt, eine langsame, hypnotische Bewegung, vor und zurück. Er hört die leisen, feuchten Geräusche, die im stillen Flur ohrenbetäubend laut sind. Es ist eine Intimität, die er in seinen kühnsten Träumen nicht mit ihr verknüpft hätte, eine Grenzüberschreitung, die sein bisheriges Verständnis von Familie und Beziehungen in sich zusammenfallen lässt wie ein Kartenhaus.

Sein Körper reagiert, zieht sich zusammen, jeder Nerv auf Hochtouren. Er spürt einen Aufsteigen in sich, ein Drängen, ein Wollen, das völlig unabhängig von seinen moralischen Bedenken funktioniert. Es ist eine körperliche Wahrheit, die er nicht leugnen kann, so sehr er es auch versucht. Er steht hier, ein achtzehnjähriger Junge, und seine Stiefmutter kniet vor ihm und tut Dinge mit ihm, die er bisher nur in flüsternden Gesprächen auf dem Schulhof oder in den dunklen Ecken des Internets gehört hat.

Erika paart ihre Bewegungen mit leisen Geräuschen, ein Stöhnen, das tief in ihrer Kehle entsteht und vibriert, eine Bestätigung, dass auch sie in diesem Moment ist, dass sie nicht nur eine ausführende Handlung ist, sondern ein fühlender, wollender Teil dieses Aktes. Sie öffnet kurz die Augen, blickt nicht zu ihm auf, sondern schließt sie wieder, versenkt sich wieder in die Handlung.

Sie lässt ihn kurz los, aber nur, um ihren zu bewegen, ihre Zunge zu nutzen, um die Empfindung zu verändern, zu steigern. Andreas stößt einen leisen, ungewollten Laut aus, ein Keuchen, das wie ein Schmerz klingt. Er wirft den Kopf in den Nacken, starrt blind an die Decke, die Lichter tanzen vor seinen Augen. Der Kater ist vergessen, die Übelkeit ist verschwunden, ersetzt durch eine Intensität, die ihn zu sprengen droht.

Sie zieht sich wieder zurück, atmet schwer, ihre Lippen rot und geschwollen. Sie schaut nun zu ihm auf. Ihre grünen Augen brennen, und in ihnen liegt eine Entschlossenheit, die ihn erschreckt und fasziniert zugleich. Sie wischt sich mit dem Handrücken über den Mund, eine Geste, die fast zärtlich wirkt.

„Ich habe so lange darauf gewartet“, sagt sie. Ihre Stimme ist rau, belegt von der Anstrengung und der Erregung. „Dass wir das endlich dürfen.“

Die Worte hallen in seinem Kopf nach. Endlich dürfen. Der Satz impliziert eine Regel, ein Gesetz, eine Grenze, die nun gefallen ist. Seine Volljährigkeit. Das magische Datum. Vor gestern war es verboten, war es falsch, war es undenkbar. Heute, nach dem Schlag der Uhr um Mitternacht, nach dem Schnitt der Torte, nach dem letzten Glas Sekt, ist es erlaubt. Die Logik ist krank, verdreht, aber in diesem Moment, mit ihrem Handabdruck auf seiner Haut und ihrem Geruch in seiner Nase, hat sie eine erschreckende Gültigkeit.

Andreas starrt sie an. Er sieht nicht mehr die Frau, die ihm das Frühstück macht. Er sieht eine Frau, die ihn begehrt, die ihn gewollt hat, vielleicht schon seit Jahren, während er unwissend neben ihr am Tisch saß und sein Müsli aß. Der Gedanke ist so absurd, so grotesk, dass er ein leises, hysterisches Lachen in sich hochsteigen spürt, das er mit Gewalt unterdrückt. Er würde kichern, und das würde die Situation in eine Farce verwandeln, also beißt er die Zähne zusammen.

Er sieht sich selbst von außen, wie eine Kamera, die die Szene filmt: Der Junge im Pyjama-Oberteil, die Boxershorts um die Knöchel, die Hand an der Wand gekrallt, das Gesicht eine Masche aus Schock und Erregung. Und die Frau, kniend, die nackte Haut auf dem Teppich, das Haar zwischen ihren Schultern, der Blick, der ihn festnagelt. Es ist ein Bild, das nicht in dieses Haus gehört, nicht in dieses Leben, nicht in diese Welt.

Erika steht langsam auf. Sie bewegt sich mit der gleichen Anmut wie beim Hinabgehen. Sie kommt aufrecht vor ihm zu stehen, jetzt auf Augenhöhe. Sie ist noch immer nackt. Ihr Körper drängt an ihn heran, die Wärme ihrer Haut strahlt ab, trifft auf seinen nackten Oberkörper unter dem Hemd. Sie legt ihre Hände an seine Wangen, hält seinen Kopf fest, zwingt ihn, sie anzusehen.

„Du bist ein Mann jetzt, Andreas“, sagt sie. Sie streicht mit dem Daumen über seine Unterlippe. „Niemand kann uns etwas verbieten.“

Er spürt ihren Herzschlag, oder vielleicht ist es sein eigener, so schnell, dass sie verschmelzen. Er atmet ihren Duft ein, eine Mischung aus Seife, Haut und dem Rest ihrer Erregung. Er fühlt sich paralysiert, gefangen in ihren Händen, gefangen in ihrem Blick. Er weiß nicht, ob er sie wegschieben soll, ob er schreien soll, ob er weglaufen soll. Sein Körper schreit nach etwas anderem, nach Fortsetzung, nach Erfüllung, während sein Verstand schreit nach Flucht.

Die Erinnerung an das gemeinsame Baden kommt zurück, überflutet ihn wie eine Welle. Er sieht das Wasser, das blau und grün schimmert. Er sieht sie in ihrem Badeanzug, sieht sich selbst in seiner Badehose. Damals war es unschuldig. Damals war es Reinlichkeit, Spiel, Familie. Jetzt sieht er die Szenen mit anderen Augen. Er sieht, wie sie ihn ansah, vielleicht schon damals. Er sieht die Blicke, die er damals nicht verstanden hat, die er als mütterliche Fürsorge abgetan hat. War es das? War das immer schon da? Die Frage bohrt sich in sein Gehirn, ein nagender Wurm, der Sicherheit frisst.

Er schaut auf ihren Körper, auf die Haut, die er jetzt so nah sieht, ohne den Filter von Wasser oder Badekleidung. Er sieht die Falten, die feinen Linien um ihre Augen und Mundwinkel, die Zeichen von neunundfünfzig Jahren Leben. Er sieht die Nachlässigkeit ihrer Brüste, die Schwere ihrer Oberschenkel. Sie ist nicht perfekt, nicht wie die Mädchen in den Magazinen, aber sie ist real, sie ist hier, sie ist warm. Und sie will ihn.

Die Erkenntnis trifft ihn mit der Wucht eines physischen Schlages. Sie will mich. Es ist eine Macht, die er plötzlich in seinen Händen hält. Er ist nicht mehr das Kind, das Befehle empfängt. Er ist der Mann, den sie begehrt. Diese Verschiebung der Dynamik verändert alles. Er fühlt eine seltsame, dunkle Macht in sich aufsteigen, ein Gefühl der Kontrolle, das ihn schwindelig macht.

Erika lehnt sich vor, ihre Lippen suchen nach seinen. Es ist kein Kuss eines Kindes, kein Kuss auf die Wange zur Begrüßung. Es ist ein Kuss, der Anspruch erhebt, der Zungen und Zähne und Atem beinhaltet. Sie dringt in seinen Mund ein, erforscht ihn, nimmt ihn, wie sie ihn gerade eben genommen hat. Andreas steht regungslos, lässt es geschehen, seine Hände noch immer an der Wand gelehnt, wie ein Geblendeter, der sich nicht bewegt, um nicht zu stolpern.

Der Kuss endet. Sie zieht sich zurück, lässt eine kleine Lücke zwischen ihren Lippen und seinen. Sie lächelt. Es ist kein freundliches Lächeln. Es ist ein Lächeln des Sieges, ein Lächeln, das sagt: Ich habe dich.

„Geh duschen, Andreas“, sagt sie, und ihre Stimme ist wieder normal, fast alltäglich, als wäre nichts geschehen, als wäre sie nur eine Hausfrau, die ihren Stiefsohn ermahnt, sich sauber zu machen. „Das Frühstück ist fast fertig.“

Sie dreht sich um, hebt den Bademantel vom Boden auf und schlüpft hinein. Sie bindet den Gürtel zu, deckt ihren Körper zu, versteckt die Haut, die ihn so verunsichert hat. Sie geht ins Badezimmer, und die Tür schließt sich hinter ihr. Das Schloss klickt nicht, aber das Geräusch des Schließens ist laut genug, um die Stille zurückkehren zu lassen.

Andreas steht allein im Flur. Die Luft ist immer noch schwer von ihrem Geruch. Sein Herz pocht in seinem Hals. Er sieht auf seine Füße, auf die Boxershorts, die um seine Knöchel verknäuelt liegen. Er tritt aus ihnen heraus, kickt sie beiseite. Er steht nun im Flur, nackt bis auf das T-Shirt, und spürt das Kälterwerden der Luft auf seiner Haut.

Er geht langsam zurück in sein Zimmer. Jeder Schritt fühlt sich an, als würde er auf einem anderen Planeten gehen. Er schließt die Tür, lehnt sich mit dem Rücken dagegen. Er atmet tief aus, ein Zittern in der Lunge. Er geht zu seinem Bett und setzt sich, die Hände zwischen den Knien verschränkt. Er starrt auf den Boden, auf den Muster des Teppichs.

Was hat er gerade getan? Was haben sie gerade getan? Die Fragen wirbeln durch seinen Kopf, ohne Antwort zu finden. Die Grenzen sind verschwunden. Die Welt, in der er aufgewachsen ist, die Welt mit klaren Regeln und klaren Rollen, existiert nicht mehr. Es gibt nur das Jetzt, und das Jetzt ist kompliziert, dunkel und auf eine Weise aufregend, die er noch nicht begreift.

Er berührt seine Lippen, wo ihre Lippen gerade waren. Er spürt die Reste ihres Lippenstifts, eine feine, fettige Schicht. Er wischt sich über den Mund, aber das Gefühl geht nicht weg. Er liegt zurück auf das Bett, starrt an die Decke. Die Fliege ist immer noch da, kreischt immer noch gegen die Lampe. Das Geräusch ist jetzt beruhigend, ein Anker in der Realität.

Er ist achtzehn Jahre alt. Er ist erwachsen. Und alles hat sich verändert.

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